Reisebericht: Sportclub Onu


Wandern und Biken in Champéry
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Das Chalet ONU

Schon die Anfahrt zum auf knapp 1.800 m hoch gelegenen Chalet ONU, das früher der UNO gehörte, ist ein kleines Abenteuer. Dank der detaillierten Wegbeschreibung fand ich das Haus mit den drei charakteristischen Giebeln aber problemlos. Der Blick von den talwärts gelegenen Balkonen, von der Sonnenterrasse vor der Sauna sowie aus dem lounge-artigen Aufenthaltsraum heraus ist überwältigend! Komplett macht das alpine Gesamtbild die sanfte Geräuschuntermalung durch entfernt bimmelnde Kuhglocken.

Mit ca. 55 Gästen war das Chalet fast ausgebucht. Neben 35 „Fröschen“ war eine Wandergruppe der „Wikinger“ anwesend, die sich auch an abendlichen Kicker-, Spiel- und Quizaktionen beteiligten.

Das morgendliche Frühstücksbüffet und das Vier-Gänge-Abendessen ließen, gemessen am Preis-Leistungsverhältnis, keinerlei Wünsche offen. Hervorheben möchte ich Flos variationsreiche und deliziöse Suppen!

An der Bar bediente uns der „Barmichel“, seit 13 Jahren auch als Bikemichel oder Skimichel bekannt, halt ein vielseitiger Dauerfrosch, mit sympathischen, flotten Sprüchen. Als er hörte, das ich gerade aus  Crans Montana kam, sagte er gleich schwäbelnd: „Im Carlton (dem Hotel in Crans) isch eh alles besser!“ Wir einigten uns darauf, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen könne, denn ein großes Familienhotel in der Stadt akzentuiert einen Urlaub natürlich anders als ein Chalet am Berg. Wer neben sportlichen Herausforderungen vor allem Erholung sucht, ist im ONU goldrichtig! Nachts habe ich geschlafen wie ein Stein, da es totenstill war. Offenbar hören die Kühe nachts irgendwann auf zu grasen und damit zu bimmeln.

Wandern und Biken

Da ich schon eine Woche Bergsport hinter mir hatte und mich ziemlich fit fühlte, ließ ich mir von Maja, der Wanderführerin, eine recht anstrengende Tour empfehlen, die in dieser Woche nicht auf dem Plan stand. Es gibt übrigens einen Ordner mit gut beschriebenen Bike- und Wandertouren, die man selbstständig absolvieren kann. So ging ich dann die 120 Höhenmeter hoch zur Seilbahn, liftete hinab nach Champéry und ging dann auf der gegenüberliegenden Seite hoch zu den „Lacs d’Antème“, zwei malerisch unterhalb eines gewaltigen Felshalbkreises („Cirque“) gelegenen Tümpeln. In einer kleinen Berghütte mit Matratzenlagern bietet ein junges Pärchen einfache Speisen zu „schweizer“ Preisen an, z.B. eine wenig gehaltvolle Gemüsesuppe mit Brot und etwas Käse als Beilage für 12 Franken (knapp 12 Euro)! Der Weg hinunter führt über eine andere Route durch eine malerische Landschaft mit Blick auf einen Wasserfall (siehe Foto), anschließend durch einige schattige Waldpassagen mit knorrigen alten Bäumen. Weiter unten, wenn man schon denkt, dass man nur noch über breite Wege läuft, führt die Wandermarkierung zu den „Galerien“, einem langen in den senkrechten Fels gehauenen Pfad. An zahlreichen Stellen sind Sicherungshaken zu sehen und als ich dort vorbeikam, kletterte gerade ein Experte eine „7 plus – Route“!

Am zweiten Tag habe ich dann an einer leichten Biketour teilgenommen, die dann von Champéry aus durch den 800 m Anstieg zum ONU von einigen Teilnehmern erweitert wurde. Ich nahm die Seilbahn, zusammen mit robocop-artig gepolsterten Downhill-Bikern, die für die am darauffolgenden Wochenende stattfindenden Weltmeisterschaften in Champéry trainierten. Möglicherweise unbewusst dadurch inspiriert, verirrte ich mich oben auf eine schwarze Downhillstrecke, die ich zunächst halb schiebend bewältigte, bevor ich dann auf dem letzten Steilstück etwas mutiger geworden klassisch über den Lenker ging. Aua!! Aufgrund einer Fingerverletzung habe ich dann an den beiden folgenden Tagen wieder die Wanderschuhe angezogen.

Ein echtes Highlight war am Dienstag die Wanderung zur Pointe de Fornet, einem netten Gipfel mit einem fantastischen Blick auf das Mont Blanc–Massiv. Der Rückweg über die „Schweizer Wand“ zog sich dann noch etwas in die Länge.

Am Mittwoch, dem Tag ohne geführte Wanderung, machte ich es dann so ähnlich wie einige Biker, die mehrfach versuchten ihre Zeit von Champéry zum ONU zu unterbieten, und ging noch einmal zu den Lacs d’Antème, um meine Zeit vom Sonntag zu unterbieten. Anschließend verlängerte ich die Tour um knapp zwei Stunden bis zur „Pointe de Soi“. Von diesem Gipfel hatte man einen unglaublichen Rundumblick, u.a. bis zum Genfer See. Am Gipfel traf ich zu meiner Überraschung auf drei schweizer Mountainbiker, die allerdings einen anderen Weg genommen hatten als ich und auf den ersten 100 Höhenmetern bergab auch nicht schneller waren als ich zu Fuß, aber dann!!

Am Donnerstag bot Maja dann ihre „Lieblingswanderung“ an, die aufgrund ihres mittelschweren Charakters und der vielfältigen und malerischen Landschaften bei allen Teilnehmern Begeisterung weckte. Ich versuchte mich wieder auf dem Rad und entdeckte eine niedliche und wunderbar gelegene Hütte 500 Höhenmeter oberhalb des „Grand Paradis“. Die kiebige Hüttenwirtin machte mich allerdings sehr deutlich darauf aufmerksam, dass Bikes dort oben nicht erwünscht seien!

Am letzten Tag nahm ich zum Ausklang der Woche an einer schönen Biketour mit interessanten Singletrails und herrlichen Ausblicken teil! Wir sind nur zu dritt losgefahren und als Jörg dann irgendwann einen Sessellift nahm, um noch eine Downhillstrecke zu meistern, hatte ich für den Rest der Strecke meinen Privatguide. Als Biker zahlt man übrigens jede Fahrt einzeln, es sei denn, man hat einen Tages- oder Mehrtagespass, während man als Fußgänger mit einem „Multipass“ für nur 10,50 Franken sämtliche Lifte sechs Tage lang benutzen darf.

Kulinarische Besonderheiten

Immer wieder lecker ist das original schweizer Raclette-Essen, bei dem der erhitzte Käse direkt vom Rad geschabt wird. Eine besondere Freude hat mir Dan, der Hausleiter und Oberkäseschaber, gemacht, indem er Käserindenreste noch einmal auf dem halben Rad mit überbacken und mir dann als Leckerbissen kredenzt hat. Der Geschmack ist durchaus mit dem „Kuchen“ beim Käsefondue, also dem unten im Topf festgebackenen Käse, vergleichbar.

Ein beliebtes Ausflugsziel für kurze Biketouren war die Hütte „Lapisa“, in der nicht nur selbst fabrizierter Käse gekauft, sondern auch „Génépi“ degustiert werden konnte, ein 40 – prozentiger Kräuterschnapps. Dank der Biologiekenntnisse des Wanderführers der Wikinger weiß ich nun endlich, dass die seltene Pflanze „Génépi“, die in den Südalpen oberhalb von 2300m wächst, auf deutsch „Schwarze Edelraute“ heißt.

Fazit

Da das Wetter bis auf einen halben Tag und einen halbstündigen Regenguss kaiserlich war, herrschte eine blendende Stimmung, denn jeder konnte seinen Intentionen entsprechend mehr oder weniger intensiv Sport treiben oder auch auf der Terrasse oder im Freibad ausdauernd die Sonne anbeten. Partystimmung kam zwar abends nicht auf, aber dafür konnte man vor allem als Biker und Wanderer alle „Frösche“ kennen lernen. Und nicht umsonst hat ein Gast dieser Woche zweimal um eine Woche verlängert!

Ludger

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