Reisebericht: Wanderreise an der Amalfiküste
Der Beginn meiner Reise
Mein persönliches Abenteuer begann Anfang Mai 2026. Zu meinem runden Geburtstag wollte ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllen: eine besondere Region zu Fuß zu erkunden. In der Überzeugung, dass man eine Landschaft beim Wandern am intensivsten erlebt, machte ich mich auf die Suche nach einer passenden Reise.
Da ich mit Frosch bereits mehrere Familienreisen unternommen hatte, war für mich schnell klar, dass ich dort auch eine passende Wanderreise finden würde. Schließlich entschied ich mich für die Amalfiküste, das Ziel meiner ersten Reise dieser Art.
Anreise und erste Begegnungen
Bei meiner Ankunft am Flughafen in Neapel lernte ich bereits die ersten beiden Mitreisenden kennen. Unser italienischer Chauffeur brachte uns trotz des lebhaften neapolitanischen Verkehrs und der schmalen, kurvenreichen Bergstraßen nach etwa einer Stunde sicher zu unserem Ziel: einem Agriturismo in Agerola.
Auf der Terrasse warteten wir gespannt auf den Rest der Gruppe. Einige waren schon früher angekommen und hatten die Zeit genutzt, um das Dorf zu erkunden und erste heimische Spezialitäten zu probieren. Am Abend war es dann endlich so weit: Nach und nach trafen alle Mitreisenden ein. Insgesamt bestand unsere Gruppe aus zwölf Personen, zehn Frauen, einem Mann und unserem Guide Herman, der uns während der gesamten Woche begleitete und uns mit seiner Erfahrung, Hilfsbereitschaft und seinen ausgezeichneten Italienischkenntnissen zur Seite stand. Mein positiver erster Eindruck bestätigte sich schnell. Wir waren eine lebhafte, aufgeschlossene Gruppe im Alter zwischen Mitte vierzig und Mitte sechzig. Von Anfang an verstanden wir uns sehr gut und im Laufe der Woche entwickelte sich ein spürbarer Zusammenhalt gemeinsam mit unserem Guide.
Unsere Wandertouren
Die Wanderungen waren natürlich das Highlight unseres Urlaubs. Von unseren beiden Standorten aus erkundeten wir die Amalfiküste auf ihren typischen Treppenwegen und bewältigten dabei schätzungsweise 10.000 bis 12.000 Stufen (!), eine Mitreisende hat tatsächlich des Öftern mitgezählt. Meistens brachen wir direkt von der Unterkunft zu Fuß auf und kehrten mit Bus oder Boot zurück. Vor allem die Fahrten mit den öffentlichen Bussen blieben uns in Erinnerung, denn Fahrpläne, Haltestellen und Fahrstil hielten immer wieder Überraschungen bereit. Besonders an Sonntagen kann es hilfreich sein, stets einen Plan B zu haben z. B. die Telefonnummer eines Taxis. Dank eines uns wohlgesonnenen Wettergottes konnten alle Touren wie geplant stattfinden und selbst anspruchsvolle Umleitungen auf verschütteten Höhenwegen meisterten wir dank gegenseitiger Unterstützung souverän.
Auf unseren Touren erlebten wir die Amalfiküste in ihrer ganzen Vielfalt: das bergige Hinterland, grüne Täler, den Fjord von Furore, imposante Kalksteinfelsen, Wasserfälle und eine üppige mediterrane Vegetation. Etwas sehr Besonderes waren die Zitronenhaine mit ihrem satten Grün und dem leuchtenden Gelb der Amalfi-Zitronen. Wir bestiegen historische Befestigungsanlagen mit markanten Türmen, darunter den Torre dello Ziro, durchquerten das Drachental und besuchten die berühmten Küstenorte Atrani, Amalfi und Positano. Auch Ravello, Pontone und Bomerano im Hinterland lernten wir kennen, klangvolle Orte mit viel Geschichte. Am besten gefiel mir der berühmte Pfad der Götter mit seinen atemberaubenden Ausblicken auf das Meer und die Küste bis nach Capri.
Besonders beeindruckend waren die Gegensätze auf unseren Touren: die Ruhe und Abgeschiedenheit vieler Wegabschnitte einerseits und das quirlige Leben in den Dörfern mit internationalen Touristen, Kunsthandwerkerläden und Boutiquen andererseits.
Unterkunft und Verpflegung
Die erste Unterkunft, ein Agriturismo in Agerola, lag auf einer Hochebene mit herrlichem Blick auf die umliegenden Berge und das in der Ferne schimmernde azurblaue Meer. Die Zimmer waren großzügig und rustikal eingerichtet. Da ich ein halbes Doppelzimmer gebucht hatte, teilte ich mir das Zimmer mit einer mir zugeteilten Mitreisenden. Rückblickend war ich mit dieser Zuteilung sehr zufrieden – es hat zwischen uns wunderbar funktioniert.
Die Familie, die das Agriturismo führte, verwöhnte uns beim Essen größtenteils mit Spezialitäten aus dem eigenen Garten. Jeden Abend gab es ein italienisches Drei-Gänge-Menü mit Primo, Secondo und Dessert, welches ausgezeichnet schmeckte. Mein persönliches Highlight waren die Cannelloni mit Käse- und Fleischfüllung, dazu Beilagen wie Wildbrokkoli, Fenchelsalat und gegrillte Paprika sowie mein Lieblingsdessert Tiramisu. Auch auf die Glutenunverträglichkeit einer Mitreisenden wurde Rücksicht genommen.
Unser Guide Herman fragte nach, ob man uns für die Touren eine Pausenverpflegung vorbereiten könnte. Das war eine ausgezeichnete Idee: Die Paninis waren sehr lecker, wahlweise mit Schinken und Käse oder Mozzarella und Tomaten belegt und für 5 € zudem preiswert.
Am vierten Tag wurde unser Gepäck in die neue Unterkunft gebracht, ein kleines Hotel im wunderschönen Küstenstädtchen Minori, während die Gruppe dorthin wanderte. Dieser Wechsel bildete einen starken Kontrast zur Ruhe in den Bergen: Statt Abgeschiedenheit erwarteten uns lebhafte Straßen, Strand, Meer und Touristen – ohne dass der Ort überlaufen wirkte.
Das Frühstück nahmen wir im Hotel ein. Die gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant unserer Wahl waren jedes Mal ein gelungener Abschluss eines ereignisreichen Tages. Für unser Abschiedsessen hatte Herman ein Restaurant ausgesucht, das uns mit einem köstlichen Menü aus Meeresfrüchten einen gelungenen letzten Abend bescherte.
Fazit
Diese Reise hat meine Erwartungen voll erfüllt. Zu Fuß entwickelt man einen viel intensiveren Bezug zur Landschaft und zu den Orten. Wer diese Reise buchen möchte, sollte an rutschfestes Schuhwerk, eine gute Kondition, gesunde Knie und eine Handy-Schnur denken und am besten die milden Temperaturen im Frühling oder Herbst nutzen. Die einzigartige Kombination aus malerischen Küstenorten, ausgezeichnetem Essen, viel Kultur und Geschichte macht die Amalfiküste zu einem besonders reizvollen Reiseziel. Mein besonderer Dank gilt der gesamten Reisegruppe inklusive Herman, ohne die diese Reise nur halb so schön gewesen wäre.
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