Klettersteigwoche in Crans Montana im August 2020
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Nachdem ich schon ziemlich lange mein Faible für Klettersteigtouren entdeckt hatte, es jedoch viel zu oft an der Durchführung scheiterte, beschloss ich trotz Corona und recht spontan eine Klettersteigwoche in Crans Montana zu buchen.

Gleich vorweg: Es war eine sehr gute Entscheidung. Die Touren waren jede für sich und alle zusammen super schön! Mir macht es einfach unheimlichen Spaß diesen Kompromiss aus alpin wandern und klettern (so beschreibe ich es zumindest) zu vereinen. Wenn das auch noch, wie in dieser Woche erlebt, zu optimalen Bedingungen stattfinden kann, gibt es absolut nix mehr auszusetzen.

Aber nun der Reihe nach

Beim ersten Abendessen gab es die obligatorische Vorstellungsrunde der Frosch-Guides - inkl. Erklärung der Corona-Regeln im Hotel. Danach die Vorstellung des ersten Programmtages und anschließend eine kurze Besprechung für die „Spezial“-Gruppen. 

Wir in der Klettergruppe lernten unseren Bergführer kennen, bekamen die ersten wichtigen Infos, klärten den Materialbedarf und erfuhren, dass es bereits am nächsten Tag früh morgens mit dem ersten Klettersteig losgehen sollte.

Die gebuchte Woche umfasste drei Klettertouren, die alle im Rhonetal bzw. im Wallis gelegen waren. Zu den jeweiligen Start- bzw. Zustiegstellen ging es in Fahrgemeinschaften per Pkw.

Klettersteige sind so angelegt, dass es immer verschiedene Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und eine Aufteilung in mehrere Kletter-Abschnitte gibt. Das birgt den Vorteil, dass die Ausstiegs-Stellen flexibel wählbar und differierende Vorkenntnisse relativ gut zu „handeln“ sind.

Unser erster Steig war der Via Ferrata Belvédére (in der Nähe von Sion und unterhalb von Nax). 

Nach ein paar grundsätzlichen Erklärungen, Kontrolle der Kletterausrüstung und kurzem Zustieg starteten wir gut gesichert die ersten Eisenbügel nach oben. Der Steig galt als einer der Leichteren und war als Wocheneinstieg genau richtig. 

Wir kletterten in 1.000 Meter Höhe munter drauf los. Die Gruppe war mit neun Leuten relativ groß und die Vorkenntnisse unterschiedlich. Hari, unser Bergführer, verschaffte sich jedoch problemlos bereits auf den ersten Metern einen Überblick über unser (Nicht)Können.

Eine der anspruchsvollsten Stellen war kurz nach dem Start - Hari half uns mit guten Tipps, wenn nötig auch mit kleiner Kletterhilfe weiter, sodass wir die Stelle recht souverän meistern konnten. Unser erstes Erfolgserlebnis war perfekt! 

Danach ging es abwechslungsreich, aber immer mit genügend Haltegriffen bzw. Stahlseil locker bergauf. Kleinere Herausforderungen waren kurze Seilbrücken - eine etwas wackelige Angelegenheit aber nicht wirklich ein Problem - größere dagegen die manchmal auftauchenden Überhänge. 

Die Zeit verging wie im Fluge und am Ausstieg waren wir sicher etwas abgekämpft, aber die Begeisterung in den Gesichtern war jedem Einzelnen anzusehen! Bei fantastischem Blick über das Rhonetal machten wir kurz Rast ehe wir den Abstieg auf normalem Wanderweg angingen.

Am Montag sollte es die landschaftlich schönste Tour geben. 

Hari hatte im Vorfeld von der tollen Landschaft, der Schlucht und dem Wasserfall erzählt – und hatte uns nicht zu viel versprochen! Es war einfach eine wunderschöne Gegend (gelegen oberhalb von Sailon und in der Nähe von Martigny), die wir zudem noch in Verbindung mit einem tollen Klettersteig erleben durften.

Unsere Route führte uns in die Salentse-Schlucht hinein zur Bisse a Barmann. Wir kletterten parallel zum Wasserfall die ersten Höhenmeter nach oben. 

Eine der ersten größeren Herausforderungen war eine relativ lange und schwankende Seilbrücke. Doch was blieb uns übrig? Es gab nur diesen Weg. Wir waren alle voll konzentriert und einer nach dem anderen überquerte die Brücke. Nachdem wir es alle wohlbehalten geschafft hatten, kletterten und kraxelten wir Stück für Stück weiter - fasziniert von der Schönheit der Natur und ebenso von unserer „Kletterei“.

Wir durchquerten einen Stollen, hatten viele weitere unterschiedliche Kletterpassagen (vorbei an der großen weißen Friedenstaube - Kunstwerk von Hans Erni) zu meistern, bekamen immer wieder gute Tipps vom Guide, aber halfen uns natürlich auch gegenseitig. 

An einem der nächsten Ausstiege war für uns Schluss - leider. Unser Bergführer hatte das Sagen - und auch wenn wir vor Begeisterung gerne weitergeklettert wären, hielten wir uns natürlich strickt an seine Vorgaben. (Als Einsteigerinfo: Klettersteige geht man immer nur nach oben, nie nach unten! Also Ausstieg oder ein Zurück mitten auf der Route gibt es nicht…) 

Einem idyllischen Wanderweg folgend ging es weiter zur großen Hängebrücke Passerelle à Farinet. Wir überquerten diese und sahen Teile unsere Kletterroute von oben bzw. frontal vor uns. Kaum zu glauben, aber wir waren da wirklich entlang gekraxelt! 

Zum Ausklang hängten wir nach dem Abstieg durch Wald und entlang von Weinbergen noch einen Einkehrstopp dran und ließen die Erlebnisse erst einmal wirken: tolle Landschaft, faszinierender Klettersteig, eine homogene, lustige Gruppe. Was will man mehr?

Am Dienstag hatten wir Kletterpause. Ich schloss mich der Wandergruppe von Anni an, die eine Tour zu den La Tieche Wasserfällen anbot. Die Tour an sich war abwechslungsreich und interessant - die Gruppengröße von ca. 30 Personen ging dagegen gar nicht. 

Und: Bei der Spezial-Wandergruppe kam das ebenfalls vor - das konnte ich absolut nicht nachvollziehen! Dort gab immer ein Limit der Teilnehmerzahl - und das ist auch absolut gerechtfertigt! Denn weder der Guide noch die Gruppe kann sich bei so vielen Teilnehmern gut aufgehoben fühlen. In so einem Fall sollte Frosch wirklich kurzfristig reagieren. Entweder die Gruppe teilen oder einen zweiten Guide einsetzen.

Am Mittwoch kam unser offiziell letzter Kletterteig - der Via Ferrata von Evolène. 

Schon der Zustieg war interessant und ich stellte fest, dass jeder Klettersteig so seine eigenen kleinen oder größeren Herausforderungen brachte. Es war auch nie wirklich zu sagen was für den Einzelnen die größten Schwierigkeiten darstellte. Das war individuell ganz unterschiedlich. Von daher sind die ganzen Einteilungen der Klettersteige mit Vorsicht zu betrachten. 

Als Anfänger sollte man - meiner Meinung nach - eher den Einschätzungen des Bergführers vertrauen bzw. ohne diesen erst gar nicht los gehen.

Da wir so begeistert von unseren Tour-Erlebnissen waren, buchten wir kurz entschlossen noch eine Tour - und Hari hatte dafür eine tolle Idee: Gletscherwanderung und Klettersteig an einem Tag! 

Nach frühem Start wanderten wir morgens los. Nicht nur immer entlang des Moirygletschers, um ihn mal so von der Seite zu bestaunen - nein, wir überquerten diesen, natürlich entsprechend ausgerüstet, „in echt“. Die Eis-/Schneeflächen direkt unter den Füßen zu spüren, die von weiten immer so harmlos aussehenden Gletscherspalten ganz nah neben uns - das war dann doch ein viel intensiveres Erlebnis - und sehr beeindruckend.

Nach wohlverdienter Pause ging es weiter zum Nahe an der beeindruckenden Staumauer des Moiry-Stausees gelegenen Via Ferrata de Moiry, 

Es war zum einen ein Fun-Klettersteig mit Kletternetz, Abseilmöglichkeit und Balkenbrücke, andererseits gab es aber auch längere ausgesetzte, steile Kletterabschnitte, wo gute Klettererfahrung nötig war. Auch hier konnten wir unterschiedliche Routen wählen und uns ausprobieren - was wir auch in vollen Zügen taten.

Durch das Doppelerlebnis Gletscher und Klettersteig waren die Erlebnisse dieses Tages auf jeden Fall der Höhepunkt der Woche! Dafür nochmal ein extra dickes Dankeschön an Hari!

Am Freitag unternahmen wir, abgeschreckt von der Gruppengröße am Dienstag, ohne Führung eine kleine Tour zu dritt. Wir ließen es relaxed angehen, fuhren mit der Gondel direkt am Haus bis zur Bergstation, wanderten den Murmeltierpfad entlang und fuhren mit der Gletscherbahn hoch bis zum Plain Morte auf fast 3.000 Metern Höhe. Am Nachmittag ließ ich die Woche am Badesee ausklingen.

Zu den Aktivitäten der Wander- und Bikegruppe kann ich leider nicht so viel beitragen. Bei Unterhaltungen mit anderen Fröschen war jedoch offensichtlich, dass diese sowohl in der normalen als auch in der Spezialwandergruppe auf ihre Kosten kamen - abgesehen von der wie schon erwähnten Gruppengröße. Ebenso bei den Bikern. Daniel, der Bikeguide war immer gut gelaunt, witzig und sehr engagiert. Er versuchte wirklich jedem die Schweizer Berge und deren Höhenmeter schmackhaft zu machen.

Das Rahmenprogramm mit täglichem Yoga und manch sportlichem Angebot am Nachmittag wurde ebenfalls gut angenommen. Das i-Tüpfelchen war natürlich die Sauna mit Dachterrasse.

Zimmer gibt es in den unterschiedlichsten Kategorien. Jeder sollte sich einfach vorher im Klaren sein, wie viel Komfort ihm wichtig ist.

Nicht sehr angenehm - aber auch nicht mal schnell zu ändern – ist der durch die schlechte Akustik unvermeidbare hohe Lärmpegel im Speisesaal. Der Ablauf im Speisesaal war dank Corona etwas umständlich - beim Buffet immer an Mundschutz und Handschuhe zu denken war gewöhnungsbedürftig – aber eben eine nötige Vorschrift.

Die Mahlzeiten waren okay. Beim Frühstück wäre auf jeden Fall eine Überlegung wert, mehr Qualität anstelle der Quantität (Wurst/Käse) anzubieten. Bzgl. des Abendessens sollte sich der Koch doch etwas mehr auf die Jahreszeit einstellen - manchmal kam der Gedanke auf, wir wären im Winterurlaub…

Absoluter Pluspunkt dagegen: Die Möglichkeit, sich eine Brotzeit einzupacken. Das sollte in möglichst vielen Destinationen so gehandhabt werden.

Ebenfalls eine super Sache ist die Explorer-Card, mit der die umliegenden Bergbahnen, die Buslinie, die Kletterhalle und vieles mehr gratis zu nutzen sind.

Ich für mich fand es auf jeden Fall eine absolut gelungene Woche - raus aus dem Alltag, abschalten - dafür Natur pur, tolle Erlebnisse und geniale Touren.

Alle Reiseberichte zum Reiseziel "Klettersteigwochen im Sportclub Carlton"

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